Vertrauen – die wichtigste Währung im Affiliate Marketing am Beispiel des PayPal Honey Skandals

– von Leon Alex –

Affiliate Marketing ist ein People-Business. Auch wenn Technologien, Tracking-Methoden und zunehmend KI eine zentrale Rolle spielen – am Ende basiert das gesamte Ökosystem auf einem zwischenmenschlichen Phänomen: Vertrauen. Vertrauen zwischen Publishern und ihren Communities, zwischen Advertisern und Partnern sowie zwischen Agenturen, Netzwerken und allen anderen Akteuren der Affiliate-Welt.

Die jüngsten Entwicklungen rund um den sogenannten PayPal-Honey-Skandal haben diese Tatsache erneut schmerzhaft ins Bewusstsein der Branche gerückt. Sie zeigen, wie zentral Vertrauen ist und wie schnell es verspielt werden kann, wenn Transparenz, Fairness und Verantwortungsbewusstsein fehlen.

Über den Autor

Leon Alex

Leon Alex

Als Head of Affiliate Marketing von adseed und zusammen mit seinem Team war Leon Alex verantwortlich für die Betreuung von über 30 Partnerprogrammen.

Mit seinem Hintergrund als langjährig erfolgreicher YouTuber und Online-Musiker versteht er es, sich neben der Seite der Advertiser auch in die Position der Publisher einzufühlen.

Sein Fokus liegt damit auf nachhaltigen Partnerschaften, die auf gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen beruhen.

Als Mitorganisator und Moderator des Affiliate Stammtisch Leipzig, Speaker bei öffentlichen Sitzungen des BVDW sowie durch Stellungnahmen zu aktuellen Affiliate-Themen in den sozialen Medien, konnte er sich in kurzer Zeit als Stimme in der Branche etablieren.

Der Ursprung: Ein virales YouTube Video

Ausgehend von einem viralen Video des YouTubers MegaLag richtete sich vor rund einem Jahr die Kritik vor allem gegen die Intransparenz bestimmter Browser Extension-Mechanismen. Im Fokus stand die Frage, wie Tools wie Honey in bestehende Customer Journeys eingreifen – insbesondere durch das nachträgliche Setzen oder Überschreiben von Affiliate-Cookies.

Viele Nutzer:innen wissen nicht, dass ihre eigentlich bevorzugten Publisher durch solche Tools leer ausgehen können. Gleichzeitig sind sich auch viele Advertiser nicht bewusst, wie stark diese Mechaniken die Attribution verzerren und welche Partner am Ende tatsächlich vergütet werden.

Trotz großer Aufmerksamkeit blieb Honey damals abgesehen von einem Imageschaden zunächst unbehelligt. Die verwendeten Mechanismen waren rechtlich nicht verboten und wurden bzw. werden auch von anderen Marktteilnehmern eingesetzt. Der Fall wurde von vielen als unschön, aber branchenüblich eingeordnet.

Ein Jahr später: Neue Recherchen, neue Dimension

Spannend wurde der Fall nun rund ein Jahr später. MegaLag veröffentlichte zwei weitere investigative Videos, in denen die Vorwürfe erheblich ausgeweitet wurden. Nun ging es nicht mehr nur um Grauzonen bei der Attribution, sondern um deutlich schwerer wiegende Fragen rund um erpresserisches Geschäftsgebaren sowie systematische Verschleierungstaktiken von Verstößen gegen Stand-Down-Policies.

Die Reaktionen ließen diesmal nicht lange auf sich warten: Mehrere Affiliate-Netzwerke zogen Konsequenzen, entfernten Honey von ihren Plattformen oder kündigten zumindest umfassende interne Prüfungen und Nachforschungen an.

Damit wurde aus einem reinen Reputationsproblem erstmals ein strukturelles Branchenthema. Die Reaktion der Netzwerke signalisierte: Bestimmte Praktiken haben bei uns keinen Platz und werden geahndet.

Warum Vertrauen im Affiliate Marketing unverzichtbar ist

Affiliate Marketing funktioniert nur dann nachhaltig, wenn alle Beteiligten davon ausgehen können, fair behandelt zu werden:

  • Publisher investieren Zeit, Reichweite und Glaubwürdigkeit, um Produkte zu empfehlen.
  • Advertiser vertrauen darauf, dass ihre Marke korrekt und wertschätzend präsentiert wird.
  • Konsument:innen verlassen sich auf ehrliche Empfehlungen und transparente Mehrwerte.

Wird dieses Gleichgewicht gestört, leidet nicht nur eine einzelne Partnerschaft. Es leidet die Glaubwürdigkeit des gesamten Kanals.

Transparenz und Aufklärung als zentrale Aufgabe der Branche

Der PayPal-Honey-Fall macht deutlich, wie wichtig Aufklärungsarbeit ist. Affiliate Marketing ist kein Selbstläufer und kein rein technisches Performance-Instrument. Es ist ein Beziehungsmodell.

Advertiser müssen verstehen:

  • Woher Conversions wirklich kommen
  • Welche Partner welchen Beitrag leisten
  • Und welche Modelle langfristig der eigenen Marke schaden können

Publisher wiederum brauchen Klarheit darüber, wie sie die Produkte der Advertiser bewerben und was für eine monetäre Gegenleistung sie dafür erwarten dürfen. Und nicht zuletzt sollten auch Endkonsument:innen nachvollziehen können, warum Affiliate Links existieren – und dass sie kein Nachteil, sondern oft die Grundlage für unabhängigen Content sind.

Beziehungspflege statt Black Box: Warum persönliche Begegnungen zählen

Gerade in einer zunehmend automatisierten Branche gewinnen persönliche Beziehungen wieder an Bedeutung. Vertrauen entsteht im Austausch: Durch Diskussionen, durch das Teilen unterschiedlicher Perspektiven und durch gemeinsames Lernen.

Hier kommen Events und Branchenformate ins Spiel. Sie bieten Raum für genau die Gespräche, die im Tagesgeschäft oft zu kurz kommen:

  • Wie entwickeln sich Marktstandards?
  • Wo verlaufen ethische Grenzen?
  • Welche Verantwortung tragen Advertiser, Netzwerke und Publisher jeweils?

Der persönliche Dialog schafft Verständnis – und Verständnis ist die Basis für Vertrauen.

Der Affiliate Stammtisch Leipzig: Austausch auf Augenhöhe

Ein gutes Beispiel für diese Art von Beziehungspflege ist der Affiliate Stammtisch Leipzig, welcher vor über einem Jahrzehnt von adseed ins Leben gerufen wurde und mittlerweile gemeinsam mit Projecter organisiert wird. Das Format bringt Publisher, Advertiser, Agenturen und Netzwerke regelmäßig an einen Tisch – bewusst niedrigschwellig, offen und dialogorientiert.

Im Fokus stehen keine Sales-Pitches, sondern:

  • ehrlicher Erfahrungsaustausch
  • Diskussion aktueller Branchenthemen
  • und das gegenseitige Verständnis für unterschiedliche Rollen und Herausforderungen

Gerade Themen wie Transparenz, faire Attribution oder der verantwortungsvolle Einsatz von Tools lassen sich in solchen Formaten deutlich besser einordnen als in anonymen Online-Debatten. Vertrauen entsteht hier nicht als Buzzword, sondern durch echte Begegnung.

Fazit: Vertrauen ist keine Marketingfloskel

Der PayPal-Honey-Skandal ist ein Weckruf – nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern für die gesamte Affiliate-Branche. Er zeigt, dass kurzfristige Gewinne auf Kosten von Transparenz und Fairness langfristig mehr Schaden als Nutzen bringen. Affiliate Marketing hat enormes Potenzial. Doch dieses Potenzial lässt sich nur dann ausschöpfen, wenn Vertrauen als zentrale Währung verstanden und aktiv gepflegt wird – durch klare Kommunikation, faire Modelle und echten Austausch.